Kommentar von unserem Gründer Thorsten Bausch

Es war nur eine Frage der Zeit, bis erneut einer der großen deutschen Lebensmittelhändler die Muskeln spielen lassen würde. Anfang des Jahres hatte sich Edeka gegen den Markengiganten Nestle aufgelehnt und rund 200 Produkte ausgelistet. Nach mehr als zwei Monaten einigten sich Edeka und Nestlé schließlich auf einen neuen Liefervertrag.

Nun also Kaufland, weil Unilever die Lieferpreise für seine Produkte drastisch erhöht haben soll. Die Kauflandkette lässt sich das nicht bieten und boykottiert 480 Unilever-Produkte. Im Kampf für den Kunden möchte man meinen. Um bessere Preise für die Kunden durchzusetzen. Das klingt vernünftig und gut. Oder? Natürlich möchten die Kunden, dass die bekannten Markenprodukte nicht deutlich teurer werden. Und die Händler wie Kaufland wollen ihren Kunden den besten Preis anbieten. In Wahrheit geht es aber um einen knallharten Machtkampf zwischen einem der größten Handelsunternehmen mit ca. 40 Milliarden Euro Jahresumsatz und einem der weltweit führenden Konsumgüterhersteller mit fast 54 Milliarden Umsatz. Die Lebensmittelhändler scheinen in diesem Kampf zu gewinnen. So sieht es momentan aus. Kundenbedürfnisse scheinen dabei wenig bedeutend zu sein.

Wie lange diese Konzerne mit den alten Spielchen weiterkommen werden, ist fraglich. Die Digitalisierung hat bei den Menschen zu mehr Entscheidungsmöglichkeiten und Mitbestimmung geführt.  Wie kann sich Kaufland darüber hinweg setzen und einfach eine Auslistung bestimmen. Vielleicht wollen die Kunden das ja gar nicht?  Warum befragt Kaufland nicht seine Kunden dazu und holt sich das Marktbedürfnis zur Situation ab und überlässt den Kunden die Entscheidung. Die ausgelisteten Unilever-Marken sind doch beliebte Produkte, also vom Kunden gewollt. So ein Handeln ist weit weg von Kundenorientierung und noch viel weiter entfernt von People-Centricity. Soll wirklich der Händler bestimmen, was es im Supermarkt zu kaufen gibtWollen wir, dass nur Hersteller eine Chance haben, die es schaffen, die hohen Listungsgebühren zu bezahlen? Warum kann nicht der Kunde sagen, welche tollen regionalen oder Spezialprodukte zu kaufen sind? Oder gar über die Preisgestaltung (mit)entscheiden. In Frankreich geht das. “C’est qui le Patron? (Wer ist der Boss?)” heißt dort eine Initiative, bei der die Verbraucher über die Milchpreise abstimmen. Viele zahlen gern etwas mehr für glückliche Kühe, gesunde Milch und Bauern, die von ihrer Arbeit leben können.

Ähnliche tolle Initiativen werden allerorts ins Leben gerufen. Denn die Menschen haben erkannt, dass sie etwas bewegen können. Darauf sollten sich Hersteller und Händler einstellen, das ist auch eine tolle Chance. Denn sonst heißt es vielleicht bald #Mitmirnicht!

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