3 Fragen an Mark Dieckmann von Schulz Brot

3 Fragen an Mark Dieckmann von Schulz Brot

„MyEnso und uns verbindet, dass wir beide gesagt haben: Wir machen es trotzdem – und auch noch besser!“

Mark Dieckmann, Geschäftsführer von Schulzbrot, im Interview mit myEnso

Nehmen Sie es jetzt nicht persönlich, Herr Dieckmann. Aber brauchen wir wirklich noch eine weitere Brotbackmischung?

Dieckmann: Eine normale Backmischung sicherlich nicht, davon gibt es tatsächlich viele. Eine Schulzbrot-Mischung dagegen schon. Denn im Segment qualitativ hochwertiger Fertigmischungen ist noch viel, viel Platz. Auf der einen Seite tummeln sich da bisher nur die Discounter mit ihren Ruckzuck-Mischungen für einen Euro. Auf der anderen Seite die hübschen Deko-Mischungen, die bunt geschichtet in Einmachflaschen auf dem Regal vor sich hinstauben, bis sie entsorgt werden. Wir passen weder zu den einen, noch zu den anderen. Denn wir sind ein traditioneller Mittelständler mit langer Backerfahrung und haben alte Rezepte so modernisiert, dass sie auch Zuhause umgesetzt werden können. Das Ergebnis ist ein köstliches Brot in Bio-Bäcker-Qualität ohne Konservierungsstoffe, das auch nach einer Woche noch frisch und lecker ist. Wir sind das besondere, das ursprüngliche Brot, das man Kindern gerne aufs Frühstücksbrett legt, vor allem wenn man es vorher zusammen gebacken hat. Und wir sind Retter in der Not, wenn die Supermärkte schon geschlossen sind oder noch ein tolles Mitbringsel für die neuen Nachbarn fehlt.

Was verbindet Sie mit myEnso, und warum sollte Ihre Brotbackmischung bei myEnso gelistet werden?

Dieckmann: Manche Dinge fühlen sich an wie in Stein gemeißelt, sprich: Ein Supermarkt ist ein Supermarkt. Eine Brotmischung ist eine Brotmischung. Punkt. An diesen Beton-Fundamenten zu rütteln, erscheint auf den ersten Blick überflüssig und kostet nur Kraft. Vor allem, wenn Globalplayer die Konkurrenten sind und den Markteintritt möglichst schwermachen. MyEnso und uns verbindet, dass wir beide gesagt haben: Wir machen es trotzdem – und auch noch besser! Außerdem braucht es Mut, den Kunden tatsächlich ins Zentrum aller Entscheidungen zu stellen und nicht nur den Eindruck zu vermitteln. Warum Schulzbrot in die myEnso-Regale gehört? Weil ich es erschreckend finde, dass die Menschen innerhalb weniger Jahre verlernt haben, wie gutes Brot riecht und schmeckt. Eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel ist zu einem schnellen Billigprodukt verkommen. Doch genau das passt nicht zusammen: Gute Zutaten kosten Geld und noch kostbarer ist die Zeit, die Brot braucht, zum Beispiel damit die Körner quellen können. Nur so kommt Feuchtigkeit ins Produkt und deshalb sind Discounterwaren innerhalb kürzester Zeit trocken.

Jeder von uns schmeißt statistisch gesehen 82 Kilo Nahrungsmittel pro Jahr in den Müll. Brot rangiert mit 15 Prozent auf den ersten Plätzen dieser traurigen Liste…

Dieckmann: Ja und das sollten wir alle nicht mehr so hinnehmen! Der Gedanke der Nachhaltigkeit sollte sich nicht länger nur auf den Umweltschutz beziehen, sondern auch die Rettung von Nahrungsmitteln und der Ernährung allgemein beziehen. Natürlich spielt für uns Ressourcenschonung auch eine große Rolle, deshalb werden unsere Verpackungen aus Agrarrückständen, also landwirtschaftlichen Nebenprodukten, hergestellt und sind damit zu 100 Prozent recyclebar. Trotzdem sollten wir vor allem auch wieder den Wert von Lebensmitteln schätzen lernen – und dass sie zu schade für den Müll sind.

Übrigens: In der zweiten Folge unserer Sendung #foodpioniere stellen wir Schulzbrot vor. Schaut doch mal rein.

Als Pionier kannst du zeitnah mitentscheiden, ob die Produkte von Schulzbrot im Sortiment gelistet werden sollen. 

3 Fragen an Gert-Jan Rutgers von Cheesepop

3 Fragen an Gert-Jan Rutgers von Cheesepop

„Kunden haben Macht, aber auch Verantwortung. Und das ist gut so!“

Gert-Jan Rutgers, Geschäftsführer von Cheesepop, im Interview mit myEnso

Gouda, Edamer und Maasdamer kennen wir. Nun gibt es einen neuen Export-Schlager aus den Niederlanden: Cheesepop. Was ist denn das?

Rutgers: Cheesepop ist ein Snack aus gepufftem Käse. Er passt perfekt zu Cocktails und schmeckt super lecker als Topping für Salate und Suppen. Das Besondere an Cheesepop ist, dass die krossen Stückchen zu 100 Prozent aus Käse sind. Andere Produkte basieren auf Mais oder Reis und sind nur mit Käse vermengt oder überbacken. Dadurch enthalten sie überwiegend Kohlenhydrate, die völlig zu Recht in der Kritik stehen, weil sie dick machen. Cheesepop bestehen nur aus Käse, also Proteinen, und sind daher sogar für eine Low-Carb-Ernährung geeignet. Außerdem sind sie von Natur aus glutenfrei. Wir fügen auch nichts hinzu, weder Zusatzstoffe, noch Gewürze. Warum auch? Schließlich genügt ein gutes Produkt als Basis völlig. Einfach nach dem Clean-eating-Prinzip! Wir zerkleinern unseren Käse, trocknen ihn und backen ihn anschließend. Dadurch poppt er ähnlich wie Popcorn auf, wird knusprig kross und schmeckt einfach nur nach Käse. Selbst Menschen mit einer Laktoseintoleranz können Cheesepop übrigens essen, da lange gereifter Käse kaum noch Milchzucker enthält.

Warum passt Cheesepop so gut ins myEnso-Sortiment?

Rutgers: Weil wir nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis daran glauben, dass Konsumenten am besten wissen, was sie wollen. Cheesepop ist dafür das beste Beispiel, denn die Idee zu diesem Produkt kam tatsächlich von unseren Kunden! Sie haben uns ständig vorgeschwärmt, wie köstlich der übergelaufene, kross gebackene Käse schmeckt, der bei Aufläufen über die Ränder tritt. Und immer wieder kam die Frage: „Wieso gibt es das denn nicht als Snack?“ Das konnten wir nachvollziehen und haben angefangen, herum zu probieren. Letztlich hat die Produktentwicklung vier Jahre gedauert. Unzählige ungenießbare Versuche sind im Biomüll gelandet. Aber unsere Neugier und unser Forschergeist wurden letztlich doch belohnt: Mittlerweile gibt es Cheesepop weltweit in 13 Ländern, sogar in Australien, Süd-Korea, Japan und Indonesien – und alle lieben unseren Leckerbissen. Die Zeiten, in denen wenige Einkäufer für Millionen Kunden die Wahl über Lebensmittelangebote in den Supermärkten treffen, sind bald vorbei.

Die Konsumenten erwarten heute nicht nur hochwertige, gesunde Produkte, sondern auch faire und nachhaltige Produktionsprozesse. Wie sehen die bei Cheesepop aus?

Rutgers: Stimmt und das ist gut so! Kunden sollten sich ihrer Macht, aber auch Verantwortung viel stärker bewusst sein. Denn letztlich bestimmen sie langfristig, was in den Regalen steht. Jeder kann also durch den Verzicht dazu beitragen, dass ungesunde Zuckerbomben oder umweltschädigende Palmöl-Produkte unattraktiv für die Produzenten werden – und damit aktiven Umweltschutz betreiben. Bei Cheesepop verwenden wir zum Beispiel spezielle Maschinen, deren erzeugte Wärme wieder für den Herstellungsprozess genutzt wird. So sparen wir wertvolle Energie.

Das 2014 gegründete niederländische Unternehmen Cheesepop verarbeitet ausschließlich Käse für seine Snacks und verzichtet auf Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel.

Übrigens: In der zweiten Folge unserer Sendung foodpioniere stellen wir Cheesepop vor. Schaut doch mal rein.

Als Pionier kannst du zeitnah mitentscheiden, ob die Produkte von Cheesepop im Sortiment gelistet werden sollen. 

3 Fragen an Jan Daniel Fritz von Saucenfritz Berlin

3 Fragen an Jan Daniel Fritz von Saucenfritz Berlin

„Eine ausgewogene und natürliche Ernährung braucht keine Zusatzstoffe“

Jan Daniel Fritz, Geschäftsführer von Saucenfritz Berlin, im Kurzinterview 

Spitzenköche und Hausfrauen wissen: Eine gute Sauce ist nicht nur ein Genuss, sondern auch eine echte Herausforderung. Woher kommt Ihre Liebe für Saucen?

Fritz: Diese Leidenschaft hat mich früh gepackt, weil in meiner Familie schon immer viel gekocht wurde. Irgendwann mauserte ich mich dann zum Salatsaucen-Spezialist. Das Experimentieren mit unterschiedlichen Zutaten, gerade mit ungewöhnlichen, faszinierte mich sofort. Beim Komponieren von Saucen gibt es einfach keine Limits, alles ist möglich. Mit 8 oder 9 Jahren habe ich das erste Mal statt Zucker Marmelade als Süßungsmittel eingesetzt und damit den Geschmacks-Wettkampf im Salatsaucen Battle gegen meine Cousine gewonnen. Zu Geburtstagen und Partys wünschten sich alle ab diesem Moment nur noch meine Saucen als Mitbringsel. Eines Abends erwischte ich auf einem Fest eine Freundin, als sie den Rest eines Dressings heimlich in ein Gurkenglas umfüllte, um es mit nach Hause zu nehmen. Da dachte ich direkt: Wenn es ihr so gut schmeckt, dann bestimmt auch anderen! Das war die Geburtsstunde von Saucenfritz. Seit 2012 gibt es nun Feinschmeckersaucen, Pestos, Chutneys, Mayonnaise und – ganz neu – vegane Streichcremes als Butter & Margarine Alternative. Sie sind der Renner, denn sie sind lecker und die wertvollen Omega-3-Fettsäuren bleiben durch einen neuartigen innovativen Produktionsprozess erhalten.

Was begeistert Sie an der Idee von myEnso? Warum wollen Sie unbedingt dabei sein?

Fritz: Dafür gibt es viele Gründe. Erstens glaube ich, dass der Online-Vertrieb von Lebensmitteln unvermindert stark zunehmen wird. Einen Partner wie myEnso zu haben, der die gesamte Logistik professionell übernimmt, ist für kleinere Unternehmen sehr attraktiv, auch aus finanzieller Sicht. Außerdem bietet die direkte Kommunikation zu den Pionieren unglaubliche Chancen: Ich kann als Hersteller viel flexibler reagieren als im klassischen Einzelhandel, der Produkte sehr statisch in immer gleich verfügbaren Mengen abruft. Durch myEnso könnte ich saisonal reagieren und kurzfristig zum Beispiel ein Bärlauch-Pesto anbieten. Finden sich genug Abnehmer, wird einfach und unkompliziert produziert. Von der Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden, wie es myEnso umsetzt, profitiert letztlich jeder. Das finde ich super! Und für mich war wichtig, dass ein Kooperationspartner auch in puncto Datenschutz so tickt wie ich. Auch da fühle ich mich bei myEnso gut aufgehoben.

Nachhaltigkeit und Fairness werden sowohl bei Ihnen als auch bei myEnso großgeschrieben.

Fritz: Das stimmt. Ich erkundige mich vor einer Zusammenarbeit immer genau über meine Lieferanten: Wie arbeiten sie? Bezahlen sie faire Löhne und engagieren sich im Idealfall auch sozial? Die Kräuter für Saucenfritz-Produkte beziehe ich beispielsweise von einem Demeterhof, der eng mit einer Behinderten-Werkstatt zusammenarbeitet. Außerdem bevorzuge ich, wenn möglich, regionale Partner, die auch verrückte Ideen mit mir umsetzen. Wie etwa den Anbau von Chili. Der wächst nämlich ganz unkompliziert auch im Berliner Umland und muss nicht klimaschädlich aus Fernost oder Lateinamerika importiert werden. Ökostrom ist für unsere Manufaktur eine Selbstverständlichkeit, selbst wenn er etwas teurer ist. Und unsere Produkte gibt es ausschließlich in recyclebaren Gläsern und nicht in Plastikverpackungen. Zudem verwenden wir zu 100 Prozent Bio-Produkte, auch wenn diese etwas divenhafter sein können und weniger berechenbar sind als industriell hergestellte Zutaten. Doch nur so lässt sich echte Qualität produzieren. Und dazu passen natürlich auch keine Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker. Die kommen uns logischerweise nicht ins Glas.

Seit 2012 produziert J.D. Fritz mit seinem Team in Handarbeit Premium-Saucen und Aufstriche in einer Manufaktur in Berlin Weissensee.

Übrigens: Die Saucen von Saucenfritz sollen so gut sein, dass selbst das Berliner Luxus-Hotel Adlon sie aufgetischt hat.  Und ganz neu gibt es jetzt die veganen Streichcremes als Butter- und Margarine-Alternative.

Jan Daniel Fritz war übrigens schon bei #foodpioniere zu Gast. In der ersten Sendung hat er persönlich seine Produkte vorgestellt.

Als Pionier kannst du zeitnah mitentscheiden, ob die Produkte von Saucenfritz im Sortiment gelistet werden sollen. 

3 Fragen an Christian Ritschel von Lloyd Caffee Bremen

3 Fragen an Christian Ritschel von Lloyd Caffee Bremen

„Künftige Generationen sollen in Würde leben können.“

Christian Ritschel, Geschäftsführer von Lloyd Caffee Bremen, im Kurzinterview 

Lloyd Caffee zählt zu den wenigen noch traditionell röstenden Kaffeeunternehmen in Deutschland. Dieses Herstellungsverfahren braucht viel Zeit und kostet damit mehr Geld als herkömmliche Röstungen. Warum setzen Sie trotzdem darauf?

Ritschel: Früher, weil uns nichts anderes übrig blieb – heute, weil wir es nicht mehr anders wollen. Als kleines Kaffee-Unternehmen konnten wir uns zu Anfang die Anschaffung einer millionenschweren Rösterei schlicht nicht leisten. Mittlerweile ist genau dieser vermeintliche Wettbewerbsnachteil unser Qualitätsmerkmal! Denn wir sind längst der festen Überzeugung, dass handwerklich gerösteter Kaffee nicht nur bekömmlicher ist, sondern auch besser schmeckt. Deshalb bleiben wir auch weiterhin bei unserer schonenden Handröstung. Außerdem glauben wir, als kleine Rösterei einen intensiveren Kontakt zu unseren Kaffeebauern und Kunden zu haben. So können wir das Beste aus dem Kaffeeanbau mit dem Optimalen aus dem Rösthandwerk kombinieren und anbieten.

Warum möchten Sie Ihre Kaffee-Produkte über myEnso vertreiben? Was begeistert Sie an der Idee von myEnso?

Ritschel: Bislang verkaufen wir unsere Kaffees so gut wie ausschließlich direkt an den Endkunden, denn der Vertrieb über den traditionellen Lebensmitteleinzelhandel ist kompliziert. Wir können gar nicht die Mengen produzieren, die dieser benötigt, um unseren Kaffee flächendeckend anzubieten. myEnso bietet hier auch kleineren Herstellern eine ideale Möglichkeit, individuelle Produkt anzubieten. Und wir finden die Idee großartig, dass die Kunden entscheiden, was gekauft werden kann. Der Konsument kann zwar heute hunderte verschiedener Marmeladen, Joghurts oder Käsesorten kaufen, aber die wirklichen Spezialitäten findet er nach wie vor nicht im traditionellen Einzelhandel. Das wird sich durch myEnso ändern. Und ich freue mich schon auf die feinen englischen Marmeladen, die ich dort bestimmt demnächst finden werde.

Bio und Nachhaltigkeit zählen auch 2018 zu den wichtigsten Schlagworten im Foodbereich. Wie positioniert sich Lloyd Caffee zu diesen Themen?

Ritschel: Über Bio braucht man heute ja nicht mehr zu diskutieren, jeder findet Bio berechtigterweise gut. Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick auf dieses Thema: Es gibt auch sehr viele wirklich gute Produkte, die kein Bio-Siegel haben. Einer unserer wichtigsten Projektkaffees zum Beispiel wird nicht als Biokaffee angeboten, da der kleinen Plantage die Zertifizierung schlichtweg zu teuer ist. Die bauen den Kaffee biologisch an, können sich aber das Zertifikat nicht leisten. Ähnlich ist es mit dem Schlagwort Nachhaltigkeit, das auch oft missverstanden wird. Meistens wird mit dem Begriff ausschließlich Ressourcenschutz verbunden, also dass wir weniger oder keine fossilen Brennstoffe verbrauchen, was bei der Kaffeeproduktion eine eher untergeordnete Rolle spielt. Es gibt jedoch noch mindestens eine weitere Bedeutung von Nachhaltigkeit – und da sind wir und unsere Kaffeebauern ganz weit vorne: Nämlich verantwortungsbewusst mit den endlichen Ressourcen umzugehen, damit heutige und künftige Generationen weltweit ein Leben in Würde führen können. Kernelemente sind dabei die Bekämpfung der Armut und die Anerkennung der ökologischen Grenzen des Wirtschaftens.

Die Lloyd Caffee GmbH ist die älteste noch traditionell röstende Kaffeerösterei in Bremen. 2011 wurde Lloyd Caffee vom Fachmagazin „Der Feinschmecker“ als eine der besten Röstereien Deutschlands ausgezeichnet.

Wer sich für Kaffeerösterei interessiert und wissen will, wie der beste Kaffee Bremens hergestellt wird, kann sich das bei Lloyd Caffee in Bremen anschauen. Christian Ritschel ist Kaffeeröstermeister aus Leidenschaft und bietet regelmäßig Seminare an.

Christian Ritschel war übrigens schon bei uns in der Sendung – in der zweiten Folge der #foodpioniere. Außerdem könnt ihr euch das Gäste-Interview mit ihm in unserem YouTube-Channel anschauen.

3 Fragen an…Hans-Ewald Reinert

3 Fragen an…Hans-Ewald Reinert

Hans-Ewald Reinert

Wir wollen euch in unserem Blog nicht nur Spannendes über Lebensmittel und die Lebensmittelhersteller berichten, sondern wir wollen auch mit den Lebensmittelherstellern sprechen. Dazu werden wir immer wieder Interviews führen mit Vertretern der Lebensmittelhersteller. Heute sprechen wir mit Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer der westfälischen Privat-Fleischerei Reinert, die Wurst- und Fleischwaren unter den Marken „Reinert“ und „Bärchen“ anbietet.

myEnso – Frage Nr. 1: Herr Reinert, welche Erfahrungen haben Sie mit dem Online-Verkauf von Wurst- und Fleischwaren in Deutschland gemacht? Wird das von den Deutschen angenommen? Was sind Ihrer Meinung nach die Haupthindernisse?

H.-E. Reinert: Grundsätzlich steckt für mich das Thema Online-Verkauf von frischen Lebensmitteln, insbesondere in unserer Branche, noch in den Kinderschuhen; nichts desto trotz ist der Macht smarter Technologien und dem Thema Future Retail eine sehr große Bedeutung sowie rasante Zukunftsentwicklung beizumessen. Die großen Online-Plattformen wie beispielsweise Rewe, Edeka24, AmazonFresh, allyouneedfresh oder auch myTime bieten zwar schon diverse frische Lebensmittel online an; jedoch sind wir derzeit noch an Test-Liefergebiete und kleinere Sortimente in diesem Bereich gebunden. Nicht jeder Kunde in Deutschland kann bislang online bestellen und beliefert werden. Eine große Herausforderung sehe ich weiterhin in der kühlpflichtigen, flächendeckenden Logistik der Ware – vom Hersteller bis zum Endverbraucher: Kann eine 100 prozentige Sicherstellung der Verkehrssicherheit der Produkte gewährleistet werden? Wie können zukünftig alle Gebiete Deutschlands ohne massive Erhöhung der Einkaufspreise beliefert werden? Wie gehen Händler und Hersteller mit massiven Diskrepanzen zwischen unverbindlichen Preisempfehlungen im LEH im Vergleich zum Online Handel um?  Welche Bedeutung ist dem PoS zukünftig noch beizumessen und wie ändern sich dadurch auch Markenstrategien und in dem Zusammenhang ganze Unternehmensorganisationen?

Aufgrund des 2-stelligen Umsatzwachstums im Online Handel im 2. Quartal 2017, innerhalb dessen die Lebensmittel dabei fast um 29% zum Vergleichszeitraum 2016 wachsen, müssen wir uns mit den Themen Digitalisierung, Veränderung der Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher (convenientes und schnelleres Einkaufsverhalten, weniger Freizeit), Click & Collect, virtual reality & co. auseinandersetzen. Eine rasante Entwicklung ist absehbar – wer weiß schon, ob wir in zehn Jahren möglicherweise schon 80% unseres täglichen Einkaufs online abwickeln werden?

myEnso – Frage Nr. 2: Das Thema „Tierwohl in der Fleischherstellung“ hat sich zumindest in der Öffentlichkeit wieder etwas gelegt. Dennoch ist der Verbraucher sensibler geworden und achtet mehr auf Tierwohl. Wie reagieren Sie als Fleischhersteller auf diesen Wunsch des Verbrauchers nach mehr Tierwohl in der Produktion?

H.-E. Reinert: Die Übernahme von Verantwortung aus eigenem Antrieb sowie zukunftsorientiertes nachhaltiges Denken und Handeln sichern den langfristigen Fortbestand unseres Unternehmens; dazu gehört vor allem, dass wir bewusster und nachhaltiger mit Ressourcen umgehen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Das Thema „Tierwohl“ haben wir in den letzten Jahren bereits im Detail analysiert und sind mit unseren Lieferanten im stetigen Dialog zu den Themen Tierhaltung und Tierwohlbefinden, insbesondere in der Schweineproduktion. Wir engagieren uns für die signifikante Anhebung der Standards, wie z.B. durch bereits verringerte Tier-Transportzeiten für unsere Sommerwurst-Produkte. Zudem beziehen wir zu 100% QS-Schweinefleisch (Initiative Qualität und Sicherheit) und haben nur einen kleinen, überschaubaren Lieferantenkreis. Wir haben zudem beispielsweise Produktranges mit Kikok-Fleisch in der Produktion oder Fleischersatzprodukte auf den Markt gebracht; jedoch ist eindeutig zu erwähnen, dass die signifikante Anhebung von Tierwohl immer mit Mehrkosten verbunden ist, die die Verbraucher oft nicht bereit sind, mit zu tragen. Das heißt, die Verbraucher möchten nicht mehr Geld für qualitativ höherwertige Produkte auszugeben, solange sie nicht persönlich einen Vorteil durch das Produktangebot für sich erkennen können. Hier besteht eine Diskrepanz zwischen angegebenen Verhalten und realem Verhalten der Verbraucher. Auch der Handel ist nicht immer bereit, die Mehrkosten an den Endverbraucher weiterzugeben. Das Thema ist für uns weiterhin mit hoher Priorität verbunden und wir arbeiten derzeit an einem Produktkonzept für das kommende Jahr, um sowohl Endverbrauchernutzen als auch Tierwohl miteinander zu vereinbaren.

myEnso – Frage Nr. 3: Sie haben es gerade angesprochen: Viele Verbraucher sprechen zwar von Tierwohl, wollen aber möglichst wenig bezahlen für Fleischwaren und wählen ihren Supermarkt häufig nach Sonderangeboten in der Fleischabteilung aus. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie billig kann ein Stück Fleisch sein, welches unter Einhaltung von Aspekten des Tierwohls produziert wurde? Und welchen Preisunterschied macht Tierwohl in der Produktion überhaupt aus?

H.-E. Reinert: In Deutschland setzen sich Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung ein. Die Partner wollen mit der Initiative Tierwohl die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel marktweit ausbauen. Davon profitieren derzeit über 267 Millionen Schweine, Hähnchen und Puten. Möglich machen das die teilnehmenden Handelsunternehmen, die seit dem 1. Januar 2015 für jedes verkaufte kg Fleisch- und Wurstwaren 4 Cent auf ein Tierwohlkonto einzahlen. Nicht nur die Lebensmitteleinzelhändler, sondern auch die Discounter wie beispielsweise Lidl, Aldi und Netto nehmen an dem Projekt teil, unabhängig von den unverbindlichen Ladenverkaufspreisen der Wurst- und Fleischwaren. Dieses ist bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Die Preishoheit der angebotenen Produkte liegt letztendlich in der Hand der Händler und wird nicht von den Herstellern diktiert. Natürlich sind „Super-Sonderangebote“ im Bereich Wurst- und Fleischwaren in Bezug auf das Thema Tierwohl nicht Image-förderlich, jedoch: Jedes verkaufte Stück Fleisch und jede verkaufte Packung Wurst erfüllt in Deutschland hohe Qualitätsstandards. Auch wenn der angebotene Ladenverkaufspreis dieses nicht immer widerspiegelt und den Verbraucher irritiert, bedeutet dieses nicht automatisch, dass die hohen Standards in der Nutztierhaltung nicht eingehalten werden, sondern sind letztendlich absatzfördernde Maßnahmen eines Händlers.

myEnso: Herr Reinert, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.