„Künftige Generationen sollen in Würde leben können.“

Christian Ritschel, Geschäftsführer von Lloyd Caffee Bremen, im Kurzinterview 

Lloyd Caffee zählt zu den wenigen noch traditionell röstenden Kaffeeunternehmen in Deutschland. Dieses Herstellungsverfahren braucht viel Zeit und kostet damit mehr Geld als herkömmliche Röstungen. Warum setzen Sie trotzdem darauf?

Ritschel: Früher, weil uns nichts anderes übrig blieb – heute, weil wir es nicht mehr anders wollen. Als kleines Kaffee-Unternehmen konnten wir uns zu Anfang die Anschaffung einer millionenschweren Rösterei schlicht nicht leisten. Mittlerweile ist genau dieser vermeintliche Wettbewerbsnachteil unser Qualitätsmerkmal! Denn wir sind längst der festen Überzeugung, dass handwerklich gerösteter Kaffee nicht nur bekömmlicher ist, sondern auch besser schmeckt. Deshalb bleiben wir auch weiterhin bei unserer schonenden Handröstung. Außerdem glauben wir, als kleine Rösterei einen intensiveren Kontakt zu unseren Kaffeebauern und Kunden zu haben. So können wir das Beste aus dem Kaffeeanbau mit dem Optimalen aus dem Rösthandwerk kombinieren und anbieten.

Warum möchten Sie Ihre Kaffee-Produkte über myEnso vertreiben? Was begeistert Sie an der Idee von myEnso?

Ritschel: Bislang verkaufen wir unsere Kaffees so gut wie ausschließlich direkt an den Endkunden, denn der Vertrieb über den traditionellen Lebensmitteleinzelhandel ist kompliziert. Wir können gar nicht die Mengen produzieren, die dieser benötigt, um unseren Kaffee flächendeckend anzubieten. myEnso bietet hier auch kleineren Herstellern eine ideale Möglichkeit, individuelle Produkt anzubieten. Und wir finden die Idee großartig, dass die Kunden entscheiden, was gekauft werden kann. Der Konsument kann zwar heute hunderte verschiedener Marmeladen, Joghurts oder Käsesorten kaufen, aber die wirklichen Spezialitäten findet er nach wie vor nicht im traditionellen Einzelhandel. Das wird sich durch myEnso ändern. Und ich freue mich schon auf die feinen englischen Marmeladen, die ich dort bestimmt demnächst finden werde.

Bio und Nachhaltigkeit zählen auch 2018 zu den wichtigsten Schlagworten im Foodbereich. Wie positioniert sich Lloyd Caffee zu diesen Themen?

Ritschel: Über Bio braucht man heute ja nicht mehr zu diskutieren, jeder findet Bio berechtigterweise gut. Trotzdem lohnt sich ein zweiter Blick auf dieses Thema: Es gibt auch sehr viele wirklich gute Produkte, die kein Bio-Siegel haben. Einer unserer wichtigsten Projektkaffees zum Beispiel wird nicht als Biokaffee angeboten, da der kleinen Plantage die Zertifizierung schlichtweg zu teuer ist. Die bauen den Kaffee biologisch an, können sich aber das Zertifikat nicht leisten. Ähnlich ist es mit dem Schlagwort Nachhaltigkeit, das auch oft missverstanden wird. Meistens wird mit dem Begriff ausschließlich Ressourcenschutz verbunden, also dass wir weniger oder keine fossilen Brennstoffe verbrauchen, was bei der Kaffeeproduktion eine eher untergeordnete Rolle spielt. Es gibt jedoch noch mindestens eine weitere Bedeutung von Nachhaltigkeit – und da sind wir und unsere Kaffeebauern ganz weit vorne: Nämlich verantwortungsbewusst mit den endlichen Ressourcen umzugehen, damit heutige und künftige Generationen weltweit ein Leben in Würde führen können. Kernelemente sind dabei die Bekämpfung der Armut und die Anerkennung der ökologischen Grenzen des Wirtschaftens.

Die Lloyd Caffee GmbH ist die älteste noch traditionell röstende Kaffeerösterei in Bremen. 2011 wurde Lloyd Caffee vom Fachmagazin „Der Feinschmecker“ als eine der besten Röstereien Deutschlands ausgezeichnet.

Wer sich für Kaffeerösterei interessiert und wissen will, wie der beste Kaffee Bremens hergestellt wird, kann sich das bei Lloyd Caffee in Bremen anschauen. Christian Ritschel ist Kaffeeröstermeister aus Leidenschaft und bietet regelmäßig Seminare an.

Christian Ritschel war übrigens schon bei uns in der Sendung – in der zweiten Folge der #foodpioniere. Außerdem könnt ihr euch das Gäste-Interview mit ihm in unserem YouTube-Channel anschauen.

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